Webfonts in der Praxis 06.04.2011

Der Einsatz von Webfonts und deren gestalterische Möglichkeiten waren 2010 beherrschende Themen für Webdesigner und -Entwickler. Dabei ist die Fonteinbettung genaugenommen kein neues Thema: Bereits 1997 war im Netscape Navigator 4 der von Bitstream entwickelte „TrueDoc”-Standard implementiert. Die PFR-Fonts konnten später, mit Hilfe eines Plugins, auch im Internet Explorer eingebettet werden. Etwa zur gleichen Zeit ermöglichte der Internet Explorer 4 die Fonteinbettung mittels „Embedded Open Type”-Fonts (EOT). Dass die Fonteinbettung bei diesem ersten Anlauf so gut wie keine Bedeutung erlangen konnte, liegt wahrscheinlich auch an der damals mangelhaften Bildschirmdarstellung und Schriftglättung.

Diesmal wird alles besser

Das Rendering von Webfonts ist heute auf aktuellen Systemen weitestgehend zufriedenstellend. Zudem folgen neue Browserversionen zunehmend dem CSS3-Modul „Web Fonts”. Den Anfang machte hier Safari 3.1 (März 2008).

Ausgefeiltes Subpixel-Rendering und extrem hochauflösende Retina-Displays ermöglichen inzwischen eine ausgezeichnete Schriftglättung. Dennoch ist die Darstellung von Webfonts auf unterschiedlichen Browsern und Plattformen unterschiedlich, daher sind Tests auf verschiedenen Systemen unumgänglich.

Viele Standards, noch mehr Lizenzmodelle

Noch gibt es kein Standardformat für Webfonts. WOFF (Firefox ab 3.6, Internet Explorer ab 9) hat gute Chancen, sich als Standard durchzusetzen. Daneben gilt es aber heute noch, die Formate EOT (Internet Explorer bis 8), SVG (iOS bis 4.1) und Raw Fonts, TTF bzw OTF (iOS ab 4.2, Safari) zu berücksichtigen.

Die Anbieter von Webfonts haben unterschiedlichste Lizenzmodelle, ob Kauf (Fontshop) oder Miete (Typekit, Monotype, Fontdeck, WebINK). Auch die Nutzungsbedingungen der Anbieter unterscheiden sich stark. Miet- bzw. Servicemodelle haben den Vorteil, dass hier das Scripting für die Fonteinbettung meist beim Dienstleister liegt und laufend aktualisiert wird.

Optimierungsbedarf

Ganz so einfach ist die Verwendung von Webfonts mit der @font-face-Deklaration trotzdem noch nicht. Es bedarf einiger Trickserei, um browserspezifische Unzulänglichkeiten, wie z. B. den FOUT („Flash of unstyled Text”) in den Griff zu bekommen.

Farewell, Verdana

Trotz der momentanen Schwierigkeiten gehört die Zukunft den Webfonts. Letztlich entscheiden darüber die Gestalter, und deren Votum lässt sich klar ablesen. Die neuen Möglichkeiten in der typografischen Gestaltung werden das künftige Gesicht des Internet prägen. Font-Kaskaden nach dem Schema „Arial, Verdana, …” gehören schon bald der Vergangenheit an.

Bis dahin gibt es noch viel zu tun: Eine größere Auswahl an optimierten Schriften, noch bessere Displays, breite Browserunterstützung, Verschwinden des IE 6, Durchsetzung von WOFF als Standard und nicht zuletzt Webdesigner, die bereits jetzt begeistert Webfonts in ihren Projekten einsetzen!