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Webfonts in der Praxis – ein Statusbericht

Der Ein­satz von Web­fonts und deren ge­stal­te­ri­sche Mög­lich­keiten waren 2010 be­herr­schende Themen für Web­de­si­gner und -Ent­wickler. Dabei ist die Fon­tein­bet­tung gen­au­ge­nommen kein neues Thema: Be­reits 1997 war im Nets­cape Na­vi­gator 4 der von Bit­stream ent­wi­ckelte „TrueDoc"-Stan­dard im­ple­men­tiert. Die PFR-Fonts konnten später, mit Hilfe eines Plugins, auch im In­ternet Ex­plorer ein­ge­bettet werden. Etwa zur glei­chen Zeit er­mög­lichte der In­ternet Ex­plorer 4 die Fon­tein­bet­tung mit­tels „Em­bedded Open Type"-Fonts (EOT). Dass die Fon­tein­bet­tung bei diesem ersten An­lauf so gut wie keine Be­deu­tung er­langen konnte, liegt wahr­schein­lich auch an der da­mals man­gel­haften Bild­schirm­dar­stel­lung und Schrift­glät­tung.

Diesmal wird alles besser.

Das Ren­de­ring von Web­fonts ist heute auf ak­tu­ellen Sys­temen wei­test­ge­hend zu­frie­den­stel­lend. Zudem folgen neue Brow­ser­ver­sionen zu­neh­mend dem CSS3-Modul „Web Fonts". Den An­fang machte hier Sa­fari 3.1 (März 2008).

Aus­ge­feiltes Sub­pixel-Ren­de­ring und ex­trem hoch­auf­lö­sende Re­tina-Dis­plays er­mög­li­chen in­zwi­schen eine aus­ge­zeich­nete Schrift­glät­tung. Den­noch ist die Dar­stel­lung von Web­fonts auf un­ter­schied­li­chen Brow­sern und Platt­formen un­ter­schied­lich, daher sind Tests auf ver­schie­denen Sys­temen unum­gäng­lich.

Viele Stan­dards, noch mehr Li­zenz­mo­delle.

Noch gibt es kein Stan­dard­format für Web­fonts. WOFF (Fi­refox ab 3.6, In­ternet Ex­plorer ab 9) hat gute Chancen, sich als Stan­dard durch­zu­setzen. Da­neben gilt es aber heute noch, die For­mate EOT (In­ternet Ex­plorer bis 8), SVG (iOS bis 4.1) und Raw Fonts, TTF bzw OTF (iOS ab 4.2, Sa­fari) zu be­rück­sich­tigen.

Die An­bieter von Web­fonts haben un­ter­schied­lichste Li­zenz­mo­delle, ob Kauf (Fontshop) oder Miete (Typekit, Mo­no­type, Font­deck, We­bINK). Auch die Nut­zungs­be­din­gungen der An­bieter un­ter­scheiden sich stark. Miet- bzw. Ser­vice­mo­delle haben den Vor­teil, dass hier das Scrip­ting für die Fon­tein­bet­tung meist beim Dienst­leister liegt und lau­fend ak­tua­li­siert wird.

Op­ti­mie­rungs­be­darf.

Ganz so ein­fach ist die Ver­wen­dung von Web­fonts mit der @font-face-De­kla­ra­tion trotzdem noch nicht. Es be­darf ei­niger Trick­serei, um brow­ser­spe­zi­fi­sche Un­zu­läng­lich­keiten, wie z. B. den FOUT („Flash of unstyled Text") in den Griff zu be­kommen.

Fa­re­well, Ver­dana!

Trotz der mo­men­tanen Schwie­rig­keiten ge­hört die Zu­kunft den Web­fonts. Letzt­lich ent­scheiden dar­über die Ge­stalter, und deren Votum lässt sich klar ablesen. Die neuen Mög­lich­keiten in der ty­po­gra­fi­schen Ge­stal­tung werden das künf­tige Ge­sicht des In­ternet prägen. Font-Kas­kaden nach dem Schema „Arial, Ver­dana, ..." ge­hören schon bald der Ver­gan­gen­heit an.

Bis dahin gibt es noch viel zu tun: Eine grö­ßere Aus­wahl an op­ti­mierten Schriften, noch bes­sere Dis­plays, breite Brow­ser­un­ter­stüt­zung, Ver­schwinden des IE 6, Durch­set­zung von WOFF als Stan­dard und nicht zu­letzt Web­de­si­gner, die be­reits jetzt be­geis­tert Web­fonts in ihren Pro­jekten ein­setzen!